Evangelische Kirchengemeinde Eckenhaid

Verabschiedung von Pfarrerin Hedwig Stünzendörfer und Pfarrer Horst Stünzendörfer am 10. Juli 2022 im Pfarrgarten der Friedenskirche

 

Predigt Finger nach oben klein

 

ABSCHIEDSPREDIGT
VON PFARRERIN UND PFARRER STÜNZENDÖRFER 

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt. Amen

Liebe Gemeinde,
„endlich hat die Friedenskirche eine Bass- und eine Altstimme bekommen,“ sagte ein Nachbar. „Wie schön!“ Er meinte dabei allerdings nicht meine Frau und mich, sondern die Glocken der Friedenskirche, die in der Silvesternacht 1999/2000 zum ersten Mal erklangen.
Vier Glocken, deren Klang seitdem über Eckenhaid schwebt, vier Glocken, die jeweils biblische Worte des Friedens als Inschrift tragen. Sie begleiten uns jeden Tag, auch heute, und heute sogar in der Predigt - unterm Glockenturm.

Für unsere größte Glocke, die „Christus-Glocke“, haben wir mit dem damaligen Kirchenvorstand ein Wort aus dem Epheserbrief (Epheser 2, 14) ausgewählt:
„Christus ist unser Friede“.
Wie die größte Glocke das Fundament des Geläutes ist, so ist Jesus Christus Grundlage unseres Glaubens und unserer Existenz als Kirchengemeinde.
Er steht dafür ein, dass wir versöhnt mit Gott leben dürfen, dass unser Leben heil und ganz wird - eben ein Leben im Frieden.
„ Christus ist unser Friede“. Das ist so. Geschenk von Gott, ohne dass wir etwas dazu tun müssten oder könnten.
Aus diesem Geschenk Gottes erwächst die Aufgabe für uns Christen:
Frieden weitergeben, wo es uns möglich ist,
im Vertrauen darauf, dass Gott dabei ist.

Hanns Dieter Hüsch hat das so formuliert:                               1

Ich stehe unter Gottes Schutz
Er lässt mich nicht ins Leere laufen
Und macht aus mir keinen Kriegsknecht
Sondern so wie ich bin bin ich sein Mensch
Ich suche den Frieden und will mich nicht ausruhen
Ihn zu suchen
Auch mit denen die noch unter Waffen stehen

Ich stehe unter Gottes Schutz
Ich weiß das seit geraumer Zeit
Er nahm den Gram und das Bittere aus meinem Wesen
Und machte mich fröhlich
Und ich will hingehen
Alle anzustecken mit Freude und Freundlichkeit
Auf dass die Erde Heimat wird für alle Welt:
Durch seinen Frieden
und unseren Glauben
Schalom in Dorf und Stadt.   

Aus: Hanns Dieter Hüsch, Uwe Seidel, Psalmen für Alletage. tvd-Verlag Düsseldorf, 3/1997

Mit den Worten aus dem Weihnachtsevangelium:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden“ (Lukas 2,14), erklingt unsere e-Glocke, die Vaterunser-Glocke.
Sie will uns daran erinnern, dass Gott und die Welt zusammengehören.

Friede auf Erden – wie weit sind wir davon entfernt!
Umso nötiger ist das Gebet darum.
Bereits im ersten Jahr hier in Eckenhaid haben wir die 10- tägigen Friedensgebete im Herbst eingeführt. Und die Menschen machten mit. Friedensbewegt und die Sehnsucht nach dauerhaftem Frieden im Herzen.
Damals hießen die Kriegsherde nicht Ukraine sondern Bosnien und Tschetschenien.

Die Bitte um Frieden ist eine große und eine bleibende Aufgabe für uns Christen. Schön, dass zwei Kirchen- vorsteherinnen in Zukunft die Friedensgebete weiterführen wollen.
Beten heißt ja: wir denken zu Gott hin. Wir vertrauen darauf, dass wir in dieser Welt nicht ohne göttliches Gegenüber sind. Was unseren Kopf und unser Herz bewegt, dürfen wir Gott anvertrauen – das Schöne und das Schwere, das, was uns glücklich sein lässt und das, was uns zum Verzweifeln bringt. Mit Gott als Gegenüber nehmen wir uns selbst besser wahr. Aber auch die anderen Menschen.
Und: unser Horizont erweitert sich. Wir bekommen z. B. Menschen in den Blick, die Tausende von Kilometern von uns entfernt sind.
Im Gebet bringen wir Unrecht, Krieg und Ungerechtigkeit vor Gott – im Vertrauen, dass Gott den Menschen, die darunter leiden, besonders nahe ist, im Vertrauen auch darauf, dass Gott Wege zeigt, wo wir selbst zum Frieden beitragen können.

Peter Härtling formuliert:

Wenn jeder eine Blume pflanzte,
jeder Mensch auf dieser Welt,
und, anstatt zu schießen, tanzte
und mit Lächeln zahlte, statt mit Geld -
wenn ein jeder einen andern wärmte,
keiner mehr von seiner Stärke schwärmte,
keiner mehr den andern schlüge,
keiner sich verstrickte in der Lüge,
wenn die Alten wie die Kinder würden,
sie sich teilten in den Bürden,
wenn dies Wenn sich leben ließ,
wär’s noch lang kein Paradies -
bloß die Menschenzeit hätt angefangen,
die in Streit und Krieg uns beinah ist vergangen.

Aus: „Peter Härtling. Gesammelte Werke. Band. 8“. Herausgegeben von Klaus Siblewski.  1997, Verlag Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KG, Köln

"Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe“- so ist die Inschrift der cis- Glocke, unserer Gebetsglocke.
Mit diesem Wort aus dem Buch des Propheten Jesaja (Jes. 57, 18) wollten wir zeigen: Alle Menschen liegen uns am Herzen. Die in unserer Nähe, aber auch die, die fern von uns sind. Im Kirchenvorstand haben wir das von je her nicht nur auf die räumliche Nähe und Distanz bezogen, sondern auch auf innere Nähe und Distanz.
Deshalb gingen unsere Überlegungen immer in zwei Richtungen:
Wie können wir die Menschen, die eng mit Glaube und Kirchengemeinde verbunden sind, stärken und bekräftigen, und mit ihnen die Freude am Glauben feiern und leben?
Und wie können wir Menschen ansprechen, die sich fern von Glaube und Kirche fühlen?
Sicher dadurch, dass wir Möglichkeiten zu Begegnung und Gespräch schaffen, auch hinausgehen aus unseren Kirchenmauern zu den Plätzen, an denen wir Menschen treffen.
Vielleicht am Himmelfahrtstag beim Imbiss danach,
im Kaffee- und Kuchenzelt auf der Eckenhaider Kärwa oder im Festzeltgottesdienst oder beim Dorffest.
Und vielleicht blitzt ja hier und da auf:
Der christliche Glaube ist nicht vom Alltag abgehoben.
Im ganz alltäglichen Verhalten wird er gelebt.

Catharina Elisabeth Goethe,
die Mutter von Johann Wolfgang von Goethe, sagt dazu:
Ich freue mich des Lebens, suche keine Dornen,
hasche die kleinen Freuden.
Sind die Türen niedrig, so bücke ich mich.
Kann ich den Stein aus dem Weg räumen,
so tue ich es;
ist er zu schwer, so gehe ich um ihn herum.
So finde ich alle Tage etwas, das mich freut.
Und der Schlussstein, der Glaube an Gott,
macht mein Herz froh und mein Angesicht fröhlich.

Catharina Elisabeth Goethe zitiert nach Evangelisches Gesangbuch, S.1046

„Der Gott der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes" (Römer 15,13).
Das ist die Inschrift der kleinsten Glocke, die bei jeder Taufe erklingt.
Alles muss klein beginnen.
Hoffnung lässt sich nicht kleinkriegen, was auch immer geschieht.
Wir Christen setzen unsere Hoffnung auf Gott. Und wir erwarten unsere Zukunft von Gott her. Eine Zukunft, in der alles heil wird, was zerrissen war.
Das hat Auswirkungen auf die Gegenwart. Wir finden uns nicht einfach damit ab, dass etwas so ist, wie es ist.

So merken wir untern anderem mehr und mehr den sozialen Sprengstoff durch die Inflation. Die Tafel unserer Diakonie hilft Menschen, auch in schwieriger Lage einen Funken Freude zu verspüren.

Nicht abfinden wollen wir uns mit Krieg als Mittel der Politik und fragen weiterhin: Wozu sind Kriege da?

Trotz aller anderen großen Probleme ist uns die Klimakrise nicht egal. Wir haben die Hoffnung, sie in den Griff zu bekommen - nicht nur Politik und Wirtschaft, auch wir selbst können dazu beitragen.
Wir setzen unsere Hoffnung auf Gott. Wir tun, was uns möglich ist und vertrauen uns und die Welt Gott an. Und bitten:

Sei unser Gott, der alle Welt
in seiner Liebe leitet,
halt deine Hand so wie ein Zelt
hoch über uns gebreitet.

Sei überall, wo Menschen sind,
wo immer Menschen träumen,
so leise wie ein sanfter Wind,
der umgeht in den Bäumen.

Sei unser Gott, der mit uns zieht
mit seinem großen Segen,
sei unser Leben, unser Lied,
ein Licht auf allen Wegen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

 

Entpflichtung Segen klein

Dekan Peter Huschke (rechts), Dekan i.R.Günter Saalfrank und Pfarrerin Elisabeth Reuther segnen Pfarrerin und Pfarrer Stünzendörfer

 

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