Terminkalender

Christi Himmelfahrt - Lesegottesdienst aus der Friedenskirche
Vom Donnerstag, 21. Mai 2020 -  08:00
Bis Dienstag, 26. Mai 2020 - 17:00

Gottesdienst gehalten von Pfarrerin Hedwig Stünzendörfer

im Pfarrgarten der Friedenskirche

 

Liturgischer Gruß

In Gottes Namen feiern wir diesen Gottesdienst:

Gott- Schöpfer des Himmels und der Erde,

Jesus Christus- Heiland, Menschenfreund,

der Heilige Geist- Gottes Kraft, die uns belebt. Amen

Begrüßung

Lied 561, 1-3 Wir feiern deine Himmelfahrt

Kantor im Wechsel mit der Gemeinde

Psalm 47 im Wechsel

Gott ist König über alle Völker

Ihr Völker alle, klatscht in die Hände

und jauchzt Gott mit fröhlichem Schall!

            Denn der Herr, der Allerhöchste, ist heilig,

           ein großer König über die ganze Erde.

Gott fährt auf unter Jauchzen,

der Herr beim Hall der Posaune.

            Denn Gott ist König über die ganze Erde;

lobsingt ihm mit Psalmen!

Gott ist König über die Völker,

Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist,

wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit

und in Ewigkeit. Amen.

Musik: 317 Lobe den Herren

Gebet

Wir beten:

Jesus Christus,

du bei Gott, du bei uns, du im Himmel,

Jesus Christus, du bei allen, die dich brauchen, du im Elend,

du auf dem Thron.

Dein Reich komme wie im Himmel so auf Erden.

Die Macht deiner Liebe in unsere Ohnmacht.

Deine Weite in unsere Enge.

Deine Zärtlichkeit in unseren Schmerz.

Amen.

Epistel: Apostelgeschichte 1,3-11

Seinen Jüngerinnen und Jüngern zeigte sich Jesus nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

Und er befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt;

denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.
Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?

Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;

aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.

Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel?

Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Glaubensbekenntnis

Musik: 075 Da berühren sich Himmel und Erde

Predigt

Liebe Gemeinde,

der jüngste Sohn eines Theologieprofessors war in dem Alter, in dem man dem theologischen Tiefsinn sehr nahe ist. Kinder sind ja oft die großen Denker.

Als ihm seine Mutter die Auferstehungs- und Himmelfahrtsgeschichte erzählte (nachdem ihm vorher der Passionsbericht sehr nahegegangen war), meinte er:

„Als der liebe Heiland da glücklich im Himmel angelangt war, hat Gott zu ihm gesagt: Nun bleib mal lieber hier oben, sonst passiert dir wieder was!“

Ein bisschen ungewohnt, dass ich die Predigt mit einem Witz beginne – aber derzeit ist ja vieles ungewohnt.

Bei meinen Predigtvorbereitungen bin ich auf dieses Geschichtchen gestoßen und ich finde die Vorstellung durchaus schön, dass der besorgte Gott-Vater und Jesus, der Gottessohn, der so viel Leiden ertrug, seit Himmelfahrt wieder glücklich vereint sind. Das ist durchaus ein Aspekt des Festes „Christi Himmelfahrt“.

Einen anderen, wichtigen, Aspekt entdecken wir hinter der Frage:

Wer regiert die Welt?

Einige wenige Politiker, Politikerinnen, Wirtschaftsbosse, Konzerne, letzten Endes also doch, wie es schon in der alten Redewendung heißt: Geld regiert die Welt?

Die Bibel gibt eine Antwort darauf: Jesus Christus.

Dazu haben wir die biblische Erzählung von Christi Himmelfahrt und feiern dieses Fest, dessen Aussage wir gar nicht so recht beschreiben können.

Natürlich wissen wir aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts, dass mit Himmel der Bereich Gottes gemeint ist, „Reich Gottes“ könnten wir auch sagen- und nicht der Himmel über uns, die Wolken, das strahlende Blau oder das gedämpfte Grau.

Und doch lädt schon die Bezeichnung “Christi Himmelfahrt“ ein, im Kopf einen Film ablaufen zu lassen.

Zum Beispiel weiß ich noch, wie bunt und beeindruckend ich mir als Kind die Himmelfahrt Jesu vorstellte.

Eine richtige majestätische „Auffahrt“.

Die Jünger haben verdutzte Gesichter, stehen mit halboffenen Mündern und zugekniffenen Augen da.

Ich war natürlich klüger als sie. Ich wusste ja, wie’s weiterging:

Pfingsten, Kirche, meine eigene Taufe - ich wusste ja: Jesus ist für mich da ist, auch wenn er „im Himmel“ ist.

Im Religionsunterricht lernte ich dann später das Lied: „Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß“.

Ich sah dann im Himmel einen Thron und Jesus darauf sitzen. Die Vorstellung gefiel mir.

Sie machte auch mich groß, ich war stolz: Auch ich gehöre zu ihm!

So ein König – toll!

Da sollte doch die ganze Welt einmal erstarren.

Wer alles auf Knien rutschen sollte, wusste ich natürlich auch…

Heute sind mir ganz andere Aspekte bei der Rede von Christi Himmelfahrt wichtig, aber ich belächle nicht diese Vorstellung, die ich als Kind hatte. Denn wir können ja nur in Bildern von Gott reden und machen uns dementsprechend auch unsere Vorstellungen.

Interessant finde ich nach wie vor diesen Wunsch, selbst ein bisschen an der Macht teilhaben zu wollen, zu bestimmen, was oder wer gut und richtig ist – so kleine Allmachtsphantasien eben. Ich denke, das ist nicht nur ein kindlicher Wunsch.

Dazu eine Annäherung:

Wie die Welt regiert wird

oder die Geschichte vom Schneider im Himmel.

Ein armes Schneiderlein kommt an das Himmelstor,

aber Petrus will es nicht einlassen.

Gott, so sagt er ihm, sei spazieren gegangen und derweil darf er niemanden hereinlassen. Der Schneider aber drängt und bittet solange, bis Petrus ihn hereinlässt.

Er soll aber still hinter der Tür sitzen und warten.

Doch als Petrus nicht achtgibt, macht sich der Schneider auf und schaut sich im Himmel um.

Da kommt er auch an den goldenen Thron, von dem die Welt regiert wird und man alles sehen kann, was auf Erden geschieht.

Das reizt den Schneider und er setzt sich einmal versuchsweise auf den Thron und was sieht er?

Eine Frau, die heimlich zwei Betttücher von der Wäscheleine stiehlt.

Ganz zornig greift der Schneider nach der Fußbank, die vor Gottes Thron steht und wirft sie nach der Diebin.

Wie Gott nun zurückkommt, vermisst er seine Fußbank.

Der Schneider erzählt ganz stolz, was er getan hat.

Aber Gott ist nicht einverstanden:

„So wird die Welt nicht regiert, spricht Gott, und schickt den Schneider zur Strafe los, die Fußbank wieder zu holen.

Und die sucht der Schneider wohl heute noch…

(mündlich überliefert)

„So wird die Welt nicht regiert!“

Wie dann?

Dazu verhilft uns die Rede von der Himmelfahrt.

Jesus Christus, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes – so bekennen wir.

Dazu muss man wissen:

In der ganzen orientalischen Welt saß zur Rechten des Königs der, der die eigentlichen Amtsgeschäfte führte.

Wenn Christus zur Rechten Gottes sitzt, dann heißt es, dass er die Herrschaft angetreten hat.

Er ist der Herr aller Herren. In unserer Sprache:

Er ist die höchste Autorität, er hat das Sagen. Hat mehr zu sagen als die vielen, die sich wichtig nehmen und so tun, als wären sie die Größten.

Davon gibt es in jedem Bereich unseres Lebens Exemplare – nicht nur auf der großen Weltbühne.

Mit dem Bekenntnis „Jesus ist die höchste Autorität“ wird uns eine große Freiheit angeboten wird.

Mit diesem Bekenntnis werden die Ansprüche aller anderen, die über unser Leben bestimmen wollen, heruntergestuft. Die Ansprüche der kleinen und der größeren „Bestimmer“ unseres Lebens. Unterschiedliche Namen tragen sie:

Was „man“ tut, folglich ich auch tun muss; oder was „man“ braucht um glücklich zu sein.

Ich muss mich davon nicht beeinflussen oder manipulieren lassen, schon gar nicht davon bestimmen lassen. In aller Freiheit darf ich mein Leben leben, weil doch Jesus die höchste Autorität ist.

Wenn Jesus zu seinem himmlischen Vater zurückgekehrt ist, dann heißt das auch:

Er hält unser Leben und die ganze Welt in seinen Händen.

Er – und nicht irgendein unberechenbares Schicksal.

Er – und das heißt auch immer: Die Liebe Gottes in Person. Ich finde es tröstlich, dass er es ist, der letzten Endes die Macht hat.

Letzten Endes eben, jetzt doch immer nur zu erahnen.

Verborgen noch, sodass wir, wie die Jünger, von denen Lukas in der Apostelgeschichte berichtet, noch unsicher sind.

40 Tage ist Jesus nach seiner Auferstehung bei den Seinen gewesen. Nun sind sie noch einmal zusammen.

Die Jünger spüren: Etwas liegt in der Luft, irgendetwas zwischen Abschied, Verunsicherung und Hoffnung.

„Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?

Hinter dieser Frage stehen viele Fragen:

Ist es jetzt soweit? Steht der Himmel nun offen?

Wer so fragt, die/den bewegt die Sehnsucht, vielleicht auch die Angst.

Wir verstehen das.

Leben ist nicht immer einfach.

Es gibt so vieles, das einen aus der Bahn werfen kann.

Es gibt so viel Unsicherheit. Da wünscht man sich, dass alles gut ist, man selber unbesorgt leben kann, dass alles sicher ist. Wir sind so verletzlich, allzu brüchig erscheint, was sicher schien.

Nach der Corona-Pandemie, so hören wir von allen Seiten, wird es nicht mehr sein wie vorher.

Aber wie wird es sein? Was wird kommen?

Viele fragen sich auch: Wie komme ich zurecht, finanziell? Wie komme ich durch die Krise, gesundheitlich?

Was passiert gerade in meinem eigenen Leben?

Mit meiner gewohnten Art zu leben, zu arbeiten?

Mit den Beziehungen zu den Menschen, die mir wichtig sind?

Es wäre doch so schön, wenn alles wieder gut wäre.

Die Jünger Jesu fühlen nicht anders:

Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?

Das ist Sehnsucht. Sehnsucht nach Sicherheit. Die Jünger ahnen: Es verändert sich etwas.

Es bleibt nicht so wie es ist. Schwebende Zeit. Unsicherheit.

Eine einfache Antwort gibt Jesus nicht

Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen …“

Noch ist es nicht soweit. Noch ist sie nicht da, die Zeit, in der alles sicher bleibt und in der das Gute nie vergeht.

Den Himmel auf Erden bekommen die Jünger von Jesus nicht, doch sie bekommen etwas anderes:

Den Himmel auf Erden bekommen die Jünger von Jesus nicht, doch sie bekommen etwas anderes:

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen.“

Pfingsten blitzt auf. Gottes Geist liegt in der Luft.

Aber dazu mehr an Pfingsten. 

Der Friede Gottes, der höher ist all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Predigtlied

123, 1-2.4 Jesus Christus herrscht als König

Kantor im Wechsel mit der Gemeinde

Fürbitten

Du, Jesus Christus,

dessen Größe und Herrschaft wir heute feiern,

Du bist auch der Niedrige unter uns, dienst uns allen.

Dir gehört die ganze Welt und das Weltall,

doch auch jedes einzelne, winzige Leben liegt Dir am Herzen.

Stehe allen bei, die große Verantwortung tragen in dieser Zeit der Pandemie –

in der Politik, in der Wissenschaft, in der medizinischen Behandlung und der Versorgung der Menschen.

Schenke uns Geduld, wenn die Krise sich nicht so schnell überwinden lässt.

Wir bitten dich für uns und alle Christen,

dass wir im Denken und Tun uns leiten lassen von dir.

Wir bitten dich für alle, die Macht haben und regieren:

Dass sie den Frieden fördern und für das Wohl der Menschen Sorge tragen.

Wir bitten dich für uns alle.

Öffne unseren Alltag für deinen Himmel,

damit wir Spuren von dir in unserem Leben entdecken.

Jesus Christus, du bist unsere Hoffnung,

die Kraft, die alles verwandelt, im Himmel und auf Erden.

Amen.

Vaterunser

Segen

Gott segne euch und behüte euch..
Gott lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch + Frieden.

Pfarrerin Hedwig Stünzendörfer

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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