Digitale Vorlesestunde

 
Bunt sind schon die Wälder und Erntedank
Liebe Kinder, Eltern, Großeltern, Erzieherinnen im evangelischen Kindergarten Eckenhaid und alle anderen Junggebliebenen,
herzlich willkommen zu meiner digitalen, dialogischen Vorlesestunde zum Thema „Bunt sind schon die Wälder und Erntedank“.
Heute möchte ich euch von einer Mitmach-Vorlesestunde mit Musik erzählen, die ich für die Bewohner im Seniorenzentrum Martha-Maria durchgeführt habe. Die Veranstaltung wurde im Saal mit einer Kamera aufgenommen und auf die Fernsehgeräte in den Gemeinschaftsräumen übertragen. Genauso wird dort seit der Corona-Pandemie der Gottesdienst auf die Fernsehgeräte der Bewohner übertragen. Jede Woche sitzt ein anderer Pfarrer mit einem Mikrophon vor der Kamera, unter anderen auch Pfarrer Stünzendörfer von der Friedenskirche. So können alle Senioren, die sich jetzt während der Corona-Pandemie zum Schutz ihrer Gesundheit nicht im Saal zum Gottesdienst versammeln dürfen, den Gottesdienst hören und sehen.
Während meiner Vorlesestunde mit den Senioren haben wir über den Sommer gesprochen, der Ende September zu Ende geht. Mit einem bunten Fest der Farben kommt dann der goldene, leuchtende Herbst, der uns nicht nur Sonnenschein bringt, sondern oft auch kräftigen Wind, der die Blätter auf dem Boden herumwirbelt und die Drachen der Kinder in den Himmel steigen lässt.
Dazu passt das folgende Gedicht, das Kindern wie Erwachsenen gleich gut gefällt:
Ade sagt der Sommer und Grüß Gott! sagt der Herbst
Ade, sagt der Sommer, und er reicht dem Herbst die Hand
und er schickt die letzte Sommersonne zum Abschied übers Land.
Ade, sagt der Sommer, und Trauer schwingt in diesem Wort ganz leise
mit ihm durch die Lüfte. Nur schweren Herzens geht der Sommer fort.
Ade, sagt der Sommer, und er macht sich langsam rar.
Seine Zeit ist nun zu Ende. Der Herbst, der ist schon da.
Grüß Gott, sagt der Herbst, und reicht uns allen die Hand und schickt
einen frischen Windsturm, goldene Sonnenstrahlen und bunte Farben
zur Begrüßung übers Land.
Die Kinder freuen sich und lassen die Drachen steigen.
Die Drachen, die können viele Sachen, beispielsweise einen Salto machen,
und sie können in die Luft steigen, runterfallen und stehenbleiben
und sie können auch Zeichen in den blauen Himmel schreiben.
Dazu aber braucht ein Drache Wind, und außerdem ein nettes Kind,
das an einer Schnur den Drachen hält, weil der Drache sonst herunterfällt.
Liebe Kinder: Habt ihr im Herbst auch schon mal einen Drachen steigen lassen? …. Wie und wo war das? …… Wer war noch dabei? …… Erzählt doch mal!...
Im Seniorenzentrum wurden die Vorlesetexte von dem Musiker Heinrich Auerswald am Flügel mit fein ausgesuchten Klavierstücken begleitet. Sein Klavierspiel gefiel allen Zuhörern sehr gut, ebenso auch sein Notenbuch, das er sich als Junge gekauft hatte. Dafür musste er lange sparen, denn das war zu einer Zeit, als die Kinder noch nicht, so wie heute, Taschengeld bekamen. Beim Zeigen der lustigen Zeichnungen und beim Erzählen von seinen Kindheitserinnerungen aus der Klavierstundenzeit hatten alle Senioren viel Spaß und sie erinnerten sich an schöne Erlebnisse in ihrer eigenen Kindheit.
Dann haben wir alle miteinander in Gedanken eine Wohlfühlreise für alle fünf Sinne gemacht. Ihr wisst ja, unsere fünf Sinne, das sind die Augen, die sehen, die Ohren, die hören, die Nase, die riecht, der Mund, der schmeckt, und unsere Hände, die fühlen.
In Gedanken bin ich mit den Senioren durch einen bunten Herbstwald gegangen …. und das machen wir jetzt auch: Wir gehen durch den Wald, einen Garten und durch die herbstlichen Wiesen und Felder. Da sehen wir bunt gefärbte Laubwälder und die Herbstfrüchte wie Waldpilze, die letzten Waldbeeren und die kleinen blau-schwarzen Schlehenfrüchte, die erst dann einigermaßen gut schmecken, wenn sie Frost abbekommen haben, und Bucheckern, Eicheln und glänzende Kastanien, mit denen man so schön basteln kann. Und wir sehen Gartenblumen: blau-violette Herbstastern, rosa Herbstanemonen, die letzten blühenden Rosen und Wiesenblumen wie rosa Herbstzeitlose und Silberdisteln.
Und wir denken an das wohlriechende Obst im Garten wie Äpfel und Birnen, an Kartoffeln, die nach frischer Erde riechen, an das Getreide und an die vielen anderen Feldfrüchte, wie zum Beispiel Kürbisse, Mais, Sellerie und Lauch.
Auch das goldene Licht der Oktobersonne, die hier bei uns in Eckental und überall, wo gerade Herbst ist, die Landschaften verzaubert, wird in unserem Kopfkino sichtbar und wir können ihre Wärme auf der Haut spüren.
Die in der Sonne silbrig glänzenden, kunstvollen Spinnennetze, die im Altweibersommer, wie der Frühherbst auch genannt wird, zwischen den Zweigen zu sehen sind, können wir auch vor unserem inneren Auge sehen.
Liebe Kinder: Schließt mal eure Augen! Könnt ihr euch die Spinnennetze vorstellen, wie sie in der Sonne glänzen? …. Und seht ihr auch die Früchte auf den Obstbäumen, das Gemüse und das Getreide auf den Feldern? ….
….. Und denkt mal an die schön gefärbten Blätter, die im Herbst von den Bäumen herunterfallen …. und wie das raschelt, wenn wir durch die trockenen Blätter laufen oder darauf herumspringen. ….. Sammelt ihr auch so gern die bunten Blätter auf? ….. Die können wir zu Hause trocknen und dann eine Blattseite mit Farbe bemalen. Die nasse, farbige Blattseite drücken wir dann auf ein weißes Papier. So können wir schöne Bilder oder auch Briefkarten basteln und an Menschen verschenken, die wir gern haben. …. Vielleicht auch mal an eure Frau Vorlesefrau?
Erzählen möchte ich euch noch, dass auch die Senioren im Seniorenheim einen wunderschön geschmückten Erntedanktisch hatten, genauso schön wie bei euch im Kindergarten oder auch beim Erntedank-Gottesdienst in der Kirche.
Liebe Kinder: Passend zur Jahreszeit können wir jetzt alle miteinander ein schönes Herbstlied singen:
Bunt sind schon die Wälder, gelb die Stoppelfelder, und der Herbst beginnt. Rote Blätter fallen, graue Nebel wallen, kühler weht der Wind. …..
Wollen wir noch ein Lied miteinander singen? …. Das folgende Lied passt nämlich besonders gut zum Erntedank:
Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land, doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand: Der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf. Alle gute Gabe kommt her von Gott dem Herrn, drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn.
Zum Abschied schreibe ich euch noch ein lustiges Gedicht für Kinder und Erwachsene auf. Der Dichter heißt Joachim Ringelnatz:
Ein Samenkorn lag auf dem Rücken, die Amsel wollte es aufpicken.
Aus Mitleid hat sie das Samenkorn verschont und wurde dafür reich belohnt.
Das Samenkorn, das auf der Erde lag, das wuchs und wuchs von Tag zu Tag.
Jetzt ist es schon ein hoher Baum und trägt in den Zweigen
ein Vogelnest aus weichem Flaum.
Eine Amsel hat das Nest gebaut. Dort sitzt sie nun und zwitschert laut. …..
Abschließende Frage an die Kinder: Wer von euch möchte noch etwas fragen oder erzählen vom Herbst? …. Vielleicht von einer Wanderung durch den Herbstwald? …. Oder vom Basteln mit getrockneten Blättern und glänzenden Kastanien? ….. Habt ihr schon mal einen Kürbis ausgehöhlt, dann Augen, Nase und Mund rausgeschnitten und ein Teelicht reingestellt? Das sieht ja besonders schön aus, wenn das Teelicht in der Dunkelheit den Kürbis ausleuchtet.
Liebe Kinder, Eltern, Großeltern, Erzieherinnen im evangelischen Kindergarten Eckenhaid und alle anderen Junggebliebenen,
wie immer wünsche ich allen Lesern, Vorlesern und den kleinen Zuhörern viel Freude miteinander beim Bilderbücher anschauen, Geschichten vorlesen und erzählen und beim gemeinsamen Singen, heute, morgen und an jedem anderen Tag!
Ich freue mich auf unser nächstes Wiedersehen und Wiederhören!
Bleibt alle gesund und fröhlich!
Ade und Tschüss!
Mit herzlichen Grüßen
Ihre/Eure Annegret Schildknecht, im Kindergarten genannt Frau Vorlesefrau
 
Hinweis: Das Copyright für Fotos mit der Angabe "M.Schi." liegt bei:
Dr. Manfred Schildknecht
 
 
 
 

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